Der Elektronische Medikationsplan (eMP) – sämtliche Medikationsdaten digital im Überblick

Der eMP ist eine digitale Weiterentwicklung des bereits im Oktober 2016 eingeführten bundeseinheitlichen Medikationsplans (BMP). Neu ist zudem, dass nun sowohl Haus- als auch Fachärzte den Plan aktualisieren müssen.


Besonders Ältere und chronisch Kranke kennen die Herausforderung, welche die regelmäßige Einnahme von Medikamenten mit sich trägt: Schnell ist eine Tablette vergessen oder die Dosierung falsch. Etwa fünf Prozent* aller Krankenhauseinweisungen sind auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen zurückzuführen – davon wären rund ein Viertel vermeidbar. Besonders wenn mehrere Ärzte aus unterschiedlichen Sektoren am Medikationsprozess beteiligt sind, ist das Risiko für Versicherte hoch. Der e-Medikationsplan soll hier für Patienten und allen am Medikationsprozess Beteiligten mehr Sicherheit bieten.

Informationen zur medikamentösen Behandlung können auf freiwillige Basis als elektronischer Medikationsplan (eMP) auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden. Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten und Apotheken erhalten dadurch einen umfassenden Überblick über die medikamentöse Behandlung eines Patienten. Der eMP ist eine digitale Weiterentwicklung des bundeseinheitlichen Medikationsplan (BMP), der bereits 2016 eingeführt wurde und bisher papierbasiert ist. Neben dem digitalen Aspekt ist ein weiterer Unterschied zum BMP, dass nicht mehr nur die Hausärzte, sondern auch Fachärzte in Praxis und Krankenhaus sowie Apotheker verpflichtend in die Pflege des Medikationsplans eingebunden sind. Nach Einwilligung des Patienten werden Medikationsdaten vom behandelnden Arzt auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert und können später z.B. vom Psychotherapeuten ausgelesen werden.

In welcher Situation ist der eMP von Vorteil?

Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten und Apotheken finden bei der Verordnung und Abgabe von Medikamenten über den eMP alle relevanten Angaben zu den Arzneimitteln, die ein Patient einnimmt und ggf. eingenommen hat. Auch medikationsrelevante Informationen, wie eine bestehende Allergie oder Schwangerschaft, können im eMP hinterlegt werden. Mögliche Wechselwirkungen von Arzneimitteln können dadurch berücksichtigt und das Risiko einer Fehl- bzw. Doppelverordnung etwa durch Unkenntnis neutralisiert werden.

Nicht nur bei einer neuen Arzneimittelverordnung ist die eMP nützlich. Kauft der Patient in der Apotheke ein rezeptfreies Medikament, können die Daten nach Einwilligung des Patienten zum einen hinterlegt werden und der Apotheker kann prüfen, ob die Selbstmedikation zu unerwünschten Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln führt. Auch bei der Ausstellung eines Wiederholungsrezepts, bei auftretenden Nebenwirkungen oder Unverträglichkeiten, wenn die Anwendung der Arzneimittel ausgesetzt wird oder sich etwas in der Einnahmezeit bzw. Dosierung ändert, ist der eMP ein nützliches Instrument, um relevante Informationen an einem Ort zu sammeln bzw. daraus Erkenntnisse zu ziehen. Die Kommunikation über verschiedene Berufsgruppen hinweg wird durch den eMP erleichtert, da alle am Medikationsprozess beteiligten Heilberufler und Apotheker die relevanten Informationen einsehen können. Damit leistet der elektronische Medikationsplan einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit.

Enthaltene Informationen des eMP

Neben allgemeinen Patientendaten wie Name, Geburtsdatum und Adresse enthält der eMP Medikationsangaben des Versicherten. Das umfasst alle Informationen zum Arzneimittel inklusive Dosierung, Zeitpunkt, Art und Häufigkeit der Anwendung – sowohl von den vom Arzt verordneten Medikamenten als auch von dem selbst erworbenen, rezeptfreien Arzneimittel. In der Vergangenheit eingenommene Medikamente, die jedoch noch eine Relevanz haben könnten, werden zur Sicherheit für die Überprüfung durch den Arzt oder Apotheker ebenfalls aufgeführt. Weiterhin können medikationsrelevante Daten wie Allergien, Unverträglichkeit, Gewicht oder Hinweise zum Gesundheitszustand (z.B. Schwangerschaft) im eMP eingetragen werden. Beteiligte Ärzte und Apotheker haben bei den einzelnen Medikationen und auch im Gesamten die Möglichkeit, Hinweise und Begründungen für eine bestimmte Verordnung in ein Kommentarfeld zu hinterlegen.

Zuständigkeiten und Voraussetzungen

Ärzte und Apotheker können nach ausdrücklicher Einwilligung des Patienten den eMP auf der Gesundheitskarte speichern. Das erstmalige Anlegen des eMP sollten die Ärzte übernehmen, die die Medikation primär koordinieren (in der Regel die Hausärzte). Für die Aktualisierung der Daten sind der ausstellende Arzt als auch der mitbehandelnde Facharzt verpflichtet, sobald die Medikation geändert wird oder ausreichende Kenntnis über eine Änderung vorliegt. Das Gleiche gilt für Apotheker. Der verschreibende Arzt trägt weiterhin die Verantwortung für die Medikation. Auslesen der Daten dürfen nach Zustimmung des Patienten sowohl Ärzte, Apotheker, das medizinische Fachpersonal und Psychotherapeuten.

Voraussetzung für das Anlegen, Aktualisieren und Auslesen des eMP ist, dass die Praxis bzw. Apotheke an die Telematikinfrastruktur (TI) angeschlossen ist. Weitere technische Voraussetzungen für Praxen sind das Praxisverwaltungssystem-Modul für eMP sowie das Update zum E-Health-Konnektor (Software-Update des Konnektor). Zudem benötigen Ärzte für die eMP einen elektronischen Heilberufsausweis, der bei der Landesärztekammer beantragt wird. Da die eMP für Patienten freiwillig ist und sie aktiv Ärzte und Apotheker zur Erstellung und Aktualisierung der Daten auffordern müssen, sind sie selbst für die Aktualität und Vollständigkeit der Informationen verantwortlich. Patienten weisen eventuell nicht bei dem Arzt- bzw. Apothekenbesuch auf die Aktualisierung des eMP hin oder nutzen ihr Recht, einzelne Medikamente dort nicht aufführen zu lassen. Es ist zwar das Ziel, dass alle notwendigen Informationen im eMP vollständig, korrekt und aktuell sind, jedoch sollten Ärzte und Apotheken dies nicht als vorausgesetzt ansehen.

Für den eMP erhalten Arztpraxen die Vergütung pauschal als Einzelleistung und über Zuschläge. Sie wird dabei extrabudgetär und zu einem festen Preis gezahlt. Hausärzte und Kinder- und Jugendmediziner, die einen Medikationsplan erstellt haben, erhalten beispielsweise für Patienten, bei denen sie nicht die Chronikerpauschale abrechnen, eine Einzelleistungsvergütung (GOP 01630). Ärzte können die GOP einmal im Jahr als Zuschlag zur Versichertenpauschale 03000/04000 abrechnen. Der Zuschlag wird mit 39 Punkten bewertet, was aktuell einer Vergütung von 4,34 € entspricht.

Anspruch und Sicherheit

Die Nutzung eines eMP ist für Versicherte freiwillig. Die Patienten müssen für das Erstellen des eMP einwilligen und auch bei jeder weiteren Einsicht oder Änderung der Daten durch Ärzte oder Apotheker nochmals zustimmen. Doch nicht jeder Versicherte kann sich einen eMP erstellen lassen: Anspruch auf die Erstellung und Aktualisierung haben Patienten, die mindestens drei verschreibungspflichtige Arzneimittel dauerhaft – mindestens 28 Tage – anwenden.

Nur Heilberufler und Apotheker haben einen Zugriff auf die Daten des eMP. Die Richtlinien dazu wurden im Bundestag im April 2020 beschlossen und im Patienten-Datenschutz-Gesetz festgelegt. Patientendaten sind hochsensibel und es bedarf besonderen Schutzvorkehrungen, damit niemand Unberechtigtes auf die Daten zugreifen kann. Um das zu gewährleisten, finden regelmäßige Kontrollen am Sicherheitsmanagement statt. Versicherte haben zudem die Möglichkeit, die eMP mit einer zusätzlichen PIN zu schützen. Dieser kann von den Patienten bei der Krankenkasse angefordert werden. Ist die PIN aktiviert, können nur damit Daten auf die eMP gespeichert, von dort ausgelesen oder aktualisiert werden.

Der eMP ist ein weiterer, digitaler Baustein eines umfassenden und vernetzten Gesundheitssystems, welches allen Akteuren eine wertvolle Unterstützung und mehr Sicherheit bietet. Welche Medikamente nimmt der Patient wie, wann und wie häufig ein? Eine Frage, die dank dem eMP schnell und einfach geklärt werden kann – damit mehr Transparenz zu weniger Risiko führt.

Quelle: www.aerzteblatt.de/archiv/196543/Arznei%C2%ADmittel%C2%ADtherapie%C2%ADsicherheit-Medikationsplan-im-Praxistest


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Ärzte

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