Schritt 1: Businessplan erstellen und Finanzierung sichern

Der Businessplan bildet die Grundlage jeder Praxisgründung. Er hilft Ihnen, Ihr Vorhaben strukturiert zu durchdenken, wirtschaftlich zu bewerten und gegenüber Banken oder Finanzierungspartnern nachvollziehbar darzustellen. Gleichzeitig dient er als Leitlinie für die nächsten Schritte der Gründung.

Zu einem tragfähigen Businessplan gehören vor allem:

  • Praxiskonzept und Leistungsspektrum: Welche fachliche Ausrichtung soll die Praxis haben? Welche Leistungen möchten Sie anbieten, und wie soll sich die Praxis positionieren?
  • Standort- und Marktbetrachtung: Wie ist die Wettbewerbssituation vor Ort? Welche Zielgruppen möchten Sie erreichen, und wie hoch ist der Bedarf?
  • Umsatz- und Kostenplanung: Welche Einnahmen sind realistisch, und welche laufenden Kosten entstehen durch Miete, Personal, Technik, IT oder Versicherungen?
  • Liquiditätsplanung: Gerade in der Anfangsphase ist entscheidend, ob ausreichend finanzielle Mittel vorhanden sind, um laufende Ausgaben auch dann zu decken, wenn Einnahmen noch verzögert fließen.

Ein zentraler Bestandteil ist die Kostenplanung. Die Kosten einer Praxisgründung variieren je nach Fachrichtung und Umfang der Ausstattung erheblich und sollten realistisch kalkuliert werden. Laut aktuellen Analysen lagen die Gesamtinvestitionen für die Übernahme einer hausärztlichen Einzelpraxis zuletzt durchschnittlich bei rund 190.000 Euro, eine komplette Neugründung bei etwa 227.500 Euro, wobei die Kosten zwischen ländlichen Regionen und Städten deutlich schwanken. Geräteintensive Fachrichtungen wie Orthopädie oder Radiologie können deutlich höhere Investitionen erfordern.

Neben den einmaligen Gründungskosten müssen auch laufende Betriebskosten wie Praxisräume, Medizintechnik, Software, Personal und Versicherungen berücksichtigt werden. Ein finanzieller Puffer für unvorhergesehene Ausgaben ist ebenfalls sinnvoll.

Bei der Finanzierung kommen in der Praxis meist mehrere Bausteine infrage. Dazu gehören Eigenkapital, klassische Bankdarlehen sowie – je nach Vorhaben – öffentliche Fördermittel. Speziell für Ärzte existieren darüber hinaus branchenspezifische Finanzierungslösungen, etwa über die apoBank, die auf die Besonderheiten von Praxisgründungen zugeschnitten sind. Wichtig ist, die Finanzierung nicht zu knapp zu planen, damit Ihre Praxis auch in der Anlaufphase handlungsfähig bleibt.

Schritt 2: Den richtigen Standort und passende Praxisräume wählen

Der Standort beeinflusst maßgeblich den Erfolg Ihrer Praxis. Er bestimmt, welche Patientengruppen Sie erreichen, wie stark der Wettbewerb ist und wie gut Ihre Praxis im Alltag erreichbar ist. 

Entscheidend ist eine realistische Einschätzung des Bedarfs. Wachstumsregionen oder bestimmte Altersstrukturen bringen unterschiedliche Anforderungen mit sich. Auch die direkte Umgebung ist relevant: In ländlichen Regionen besteht häufig aufgrund einer geringen Praxisdichte ein erhöhter Versorgungsbedarf, während in Städten oft ein höherer Wettbewerb herrscht. Bei spezialisierten Fachrichtungen ist vor allem die Konkurrenz im direkten Einzugsgebiet entscheidend. 

Neben dem Standort müssen auch die Praxisräume zu Ihrem Konzept passen, denn eine durchdachte Raumaufteilung kann Abläufe erleichtern. Grundlegende Anforderungen wie Barrierefreiheit und technische Voraussetzungen sollten von Anfang an berücksichtigt werden. 

Bei der Entscheidung zwischen Miete und Kauf gibt es keine pauschale Lösung. Mietobjekte bieten mehr Flexibilität, ein Kauf kann hingegen langfristig Planungssicherheit schaffen. Entscheidend ist, dass die Räumlichkeiten zu Ihrer Praxisstruktur passen und sich im Idealfall ohne großen Mehraufwand nutzen lassen.

Schritt 3: Rechtliche Voraussetzungen und Zulassungen klären

Bevor Sie Ihre Praxis eröffnen können, müssen zentrale rechtliche Voraussetzungen erfüllt und verschiedene Anträge gestellt werden. Dieser Schritt kann zeitintensiv sein und sollte frühzeitig eingeplant werden. 

Zunächst benötigen Sie die grundlegenden fachlichen Nachweise: die Approbation sowie – je nach Fachrichtung – eine abgeschlossene Weiterbildung. Darauf aufbauend erfolgt die Eintragung in das Arztregister, die Voraussetzung für alle weiteren Schritte ist. 

Im nächsten Schritt beantragen Sie die Zulassung als Vertragsarzt bei der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung. Erst mit dieser Zulassung dürfen Sie gesetzlich versicherte Patienten behandeln. Je nach Region kann dieser Prozess durch die Bedarfsplanung beeinflusst werden und entsprechend Zeit in Anspruch nehmen. 

Wichtig: Eine Praxis kann grundsätzlich auch ohne Kassenzulassung betrieben werden. In diesem Fall behandeln Sie ausschließlich Privatpatienten und Selbstzahler. Der Gründungsprozess ist in weiten Teilen identisch, jedoch entfällt die Zulassung durch die Kassenärztliche Vereinigung. 

Parallel dazu sind mehrere formale Anmeldungen erforderlich. Dazu gehören unter anderem: 

  • Anmeldung bei Ärztekammer und Versorgungswerk
  • Registrierung beim Finanzamt
  • Meldung beim zuständigen Gesundheitsamt 

Welche weiteren Schritte notwendig sind, hängt unter anderem von Ihrer gewählten Rechtsform, Ihrer konkreten Praxisausrichtung und der von Ihnen gewählten Praxisform (z. B. Einzelpraxis, Gemeinschaftspraxis oder MVZ) ab.

Da viele dieser Prozesse ineinandergreifen und Fristen zu beachten sind, lohnt es sich, die Abläufe frühzeitig zu strukturieren und bei Bedarf fachliche Unterstützung einzubeziehen.

Schritt 4: Ausstattung, Personal und Praxisorganisation aufbauen

Sobald die grundlegenden Rahmenbedingungen stehen, geht es an den Aufbau Ihrer Praxis. In dieser Phase legen Sie die Grundlage für funktionierende Abläufe im späteren Betrieb

Ein zentraler Punkt ist die Auswahl der passenden Ausstattung. Neben der Medizintechnik betrifft das vor allem die IT, darunter das Praxisverwaltungssystem und die Anbindung an die Telematikinfrastruktur. Diese Systeme bilden die Grundlage für Terminmanagement, Dokumentation und Abrechnung und sollten frühzeitig aufeinander abgestimmt werden. 

Gleichzeitig beginnt die Personalplanung. Welche Aufgaben anfallen und wie sie verteilt werden, hängt von Fachrichtung und Praxisgröße ab. Wichtig ist, dass Zuständigkeiten klar definiert sind und neue Mitarbeitende strukturiert eingearbeitet werden. 

Ebenso entscheidend ist die Gestaltung der Abläufe – von der Terminvergabe über den Empfang bis zur Behandlung und Abrechnung. Gerade die Abrechnung, etwa nach GOÄ im Privatbereich, ist oft zeitaufwendig und fehleranfällig. Hier kann es sinnvoll sein, auf spezialisierte Dienstleister wie AÄA zurückzugreifen, die Abrechnungsprozesse übernehmen und das Praxisteam entlasten. 

Je klarer diese Prozesse von Anfang an definiert sind, desto reibungsloser funktioniert der Praxisbetrieb.

Schritt 5: Marketing und Patientenakquise vorbereiten

Noch bevor die Praxis eröffnet, sollten Sie sich damit beschäftigen, wie potenzielle Patienten auf Sie aufmerksam werden. Denn selbst bei guter Lage und Ausstattung kann eine Praxis ohne Sichtbarkeit unter ihren Möglichkeiten bleiben. 

Ein erster wichtiger Schritt ist eine klare Positionierung: Wofür steht Ihre Praxis, welche Schwerpunkte setzen Sie und was unterscheidet Sie von bestehenden Angeboten im Umfeld? Diese Fragen bilden die Grundlage für alle weiteren Maßnahmen. 

Darauf aufbauend geht es um Ihre Sichtbarkeit. In der Praxis bedeutet das vor allem eine professionelle Online-Präsenz, insbesondere bei Google, wo viele Patienten gezielt nach Ärzten in ihrer Nähe suchen. Zudem möchten sie sich häufig vorab online informieren, weshalb grundlegende Informationen wie Leistungen, Öffnungszeiten und Kontaktmöglichkeiten leicht auf Ihrer Website auffindbar sein sollten. 

Ergänzend spielt auch die lokale Wahrnehmung eine Rolle. Dazu zählen beispielsweise Kooperationen mit anderen Praxen, Hinweise im direkten Umfeld oder Empfehlungen durch bestehende Netzwerke. 

Ziel ist es nicht, möglichst viele Maßnahmen umzusetzen, sondern gezielt dort präsent zu sein, wo Ihre zukünftigen Patienten nach medizinischen Leistungen suchen.

Schritt 6: Praxis eröffnen und Betrieb starten

Mit der Eröffnung beginnt der eigentliche Praxisalltag. In dieser Phase zeigt sich, ob Planung und Vorbereitung im Alltag funktionieren. 

Damit der Start gelingt, sollten einige Grundlagen bereits stehen: 

  • eingespielte Abläufe bei Terminvergabe, Dokumentation und Abrechnung
  • ein eingearbeitetes Team mit klaren Zuständigkeiten
  • funktionierende Systeme und Technik 

Gleichzeitig geht es darum, die ersten Patienten zu gewinnen und Vertrauen aufzubauen. Gerade in den ersten Wochen zählen ein professioneller Eindruck, klare Kommunikation und gut organisierte Abläufe. 

Erfahrungsgemäß lässt sich nicht alles im Vorfeld perfekt planen. Deshalb ist es sinnvoll, den laufenden Betrieb aktiv zu beobachten und Prozesse bei Bedarf anzupassen