Der höhere Faktor, richtig genutzt

Statistiken hinsichtlich des Ansatzes höherer Faktoren durch Dermatologen zeigen ein buntes Bild: Ein Teil hat damit kein Problem, andere machen das, aber mit Zurückhaltung und manche verzichten darauf gar völlig.

 

Diese Unterschiedlichkeit macht es sinnvoll, das Thema eingehend zu behandeln. Die Erfahrenen sollen bestätigt werden und ggf. noch Verbesserungspotential aufgezeigt bekommen, die Zurückhaltenden und Verzichter nicht nur informiert, sondern auch motiviert werden. Die Beiträge beginnen deshalb im Allgemeinen, weiter folgen eingehendere Hinweise und schließlich Beispiele und die Beantwortung eventueller Nachfragen.

Gute Gründe für die Zurückhaltung

Wer nur den 1,8- oder 2,3fachen Faktor ansetzt, hat es einfach. Man muss sich nicht mit einer zunächst vielleicht kompliziert erscheinenden Materie befassen, ggf. auch nicht seine Dokumentation überprüfen, diese Faktoren werden von der Software angeboten und  Widersprüche gegen den Ansatz höherer Faktoren gibt es nicht. 

Gute Gründe für den Ansatz höherer Faktoren

Augenfällig ist das damit verbundene Honorarpotential. Modellrechnungen zeigen in der Privatliquidation durch Dermatologen gegenüber dem Routineansatz nur mit 2,3- bzw. 1,8fach ein Honorarpotential von 15 bis zu 20%. Außerdem sollte man bedenken, dass für die jeweils erbrachte Leistung – von der einfachen Beratung bis z.B. Laseranwendungen – das Honorar seit 1996 unverändert ist. Ein „Inflationsausgleich“ ist allerdings kein zulässiger Grund für den Ansatz höheren Faktoren. Wer aber unangemessen Zurückhaltung übt, bestraft sich noch zusätzlich selber.

2,3- bzw. 1,8fach als Regelsatz

Zu den weitaus meisten Leistungen wird einer dieser Faktoren angesetzt - und so wird es auch weiterhin sein. Der Grund dafür sind nicht nur die o.a. Einfachheit, es gibt auch sachliche Gründe. Die GOÄ sieht als Spanne (mit Ausnahmen, z.B. bei nur mit 1,0fach ansetzbaren Zuschlägen) den 1,0- bis 3,5- bzw. 2,5fachen Faktor vor. 2,3- bzw. 1,8 bilden den (ungefähren) Mittelwert deshalb, weil damit ein durchschnittliches – und damit häufiges – Leistungsgeschehen richtig bemessen ist. Im Klartext findet sich das in der § 5 Absatz 2 Satz 4 der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ): „Der 2,3fache Gebührensatz bildet die nach Schwierigkeit und Zeitaufwand durchschnittliche Leistung ab; ein Überschreiten dieses Gebührensatzes ist nur zulässig, wenn Besonderheiten der in Satz 1 genannten Bemessungskriterien dies rechtfertigen.“

Kriterien für die Bemessung

Als Kriterien für die „Durchschnittlichkeit“ oder „Überdurchschnittlichkeit“ nennt die GOZ in Satz 1 „Schwierigkeit und Zeitaufwand“ sowie „Umstände bei der Ausführung“. In Satz 2 dann noch „die Schwierigkeit des Krankheitsfalles“. Das ist spiegelbildlich zur Regelung in § 5 Absatz 2 der GOÄ. 

Allerdings steht in der GOZ noch weiter: „Leistungen mit unterdurchschnittlichem Schwierigkeitsgrad oder Zeitaufwand sind mit einem niedrigeren Gebührensatz zu berechnen.“ Das steht so nicht in der GOÄ, ist aber sich logisch aus der Regelung ergebend und ebenfalls auf die GOÄ übertragbar.

Fazit: Das Gros der Leistungen erfolgt durchschnittlich und ist mit dem 2,3- bzw. 1,8fachem Faktor richtig angesetzt. „Überdurchschnittliche“ Leistungen werden richtig mit höherem Faktor angesetzt, eine ggf. unterdurchschnittliche Leistung (z.B. ein sehr kleiner einfacher Verband nach Nr. 200 GOÄ) auch mit einem niedrigeren Faktor.

Differenzieren!

Es liegt auf der Hand, dass es zwischen 2,3- bzw. 1,8- und 3,5- bzw. 2,5fachem Faktor auch Leistungsgeschehen geben muss, die zwar „überdurchschnittlich“ waren, aber nicht so sehr, dass es dem von der GOÄ-Systematik her vorgesehenem Höchstsatz entspricht. Es muss auch Leistungen geben, bei denen z.B. der 3,3fache Faktor angemessen ist. Der evtl. Einwand, dass dies angesichts der ausbleibenden Honoraranpassung unangebracht sei, ist verständlich, aber berücksichtigt nicht, dass wir an diese GOÄ gebunden sind.

► Unser Tipp:

Greifen Sie nicht „reflexhaft“ nur zu 2,3 (1,8) oder direkt zu 3,5 (2,5). Wer den Faktor differenziert, handelt vorbildlich und erschwert auch eventuelle Einwände. Die Praxis zeigt, dass allein schon dadurch Einwände seltener werden.
 


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Kategorie
Dermatologie

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