COVID-19: Telemedizin richtig abrechnen

In Zeiten von COVID-19 wurden die geltenden Beschränkungen für den Einsatz der Videosprechstunde für das zweite Quartal aufgehoben. Erfahren Sie, wie Sie diese richtig abrechnen.

 
Abrechnung nach GOÄ

Im Bereich der GOÄ gibt es einige Leistungen, die auch bei telefonischer Erbringung oder bei der Videosprechstunde ohne Probleme abgerechnet werden können, da diese Möglichkeiten bereits Inhalt der Leistungslegende ist. Denn nach aktueller GOÄ besteht bezüglich der Abrechnung kein grundsätzlicher Unterschied, ob eine Beratung, Unterrichtung oder Untersuchung im direkten Patientenkontakt oder per Telefon, Video oder E-Mail stattfindet. Man kann also sagen, dass die gleichen Ziffern und die gleichen Regeln zur Anwendung kommen:

  • Nr. 1 GOÄ, die „Beratung ‒ auch mittels Fernsprecher“ (80 Punkte/10,72 Euro bei Faktor 2,3)
  • Nr. 2 GOÄ, die „Ausstellung von Wiederholungsrezepten und/oder Überweisungen und/oder Übermittlung von Befunden oder ärztlichen Anordnungen ‒ auch mittels Fernsprecher ‒ durch die Arzthelferin“ (30 Punkte/3,15 Euro)
  • Nr. 3 GOÄ, die „eingehende, das gewöhnliche Maß übersteigende Beratung ‒ auch mittels Fernsprecher“ (150 Punkte/20,11 Euro)
  • Nr. 4 GOÄ, die „Erhebung der Fremdanamnese über einen Kranken und/oder Unterweisung und Führung der Bezugsperson(en)“ (220 Punkte/29,49 Euro)


Eine Einschränkung ist jedoch, dass die Behandlung des konkreten Patienten nicht ausschließlich telemedizinisch erfolgen darf. Dies gilt auch für die Beratung per E-Mail. 

Wir empfehlen zusätzlich: Nutzen Sie auch die Zuschläge A, B, C, D und K1 für Beratungen bzw. Untersuchungen. Achten Sie dabei daruf, dass alle Voraussetzungen erfüllt sind. Sinnvoll kann auch die kontinuierliche Verfolgung der Leistungsinhalte im EBM sein. Dort nicht ausdrücklich erwähnte Leistungen per Videosprechstunde können Sie Ihren GKV-Patienten als IGeL-Leistung anbieten.

Abrechnung nach EBM

Telefonische Beratungen
Neben den Nrn. 01430 (Wiederholungsrezepte/Überweisungen) und 01435 (Haus-/Fachärztliche Bereitschaftspauschale) kann bei postalischer Zustellung der AU-Bescheinigung bzw. Verordnungen/Überweisungen übergangsweise ebenfalls die Nr. 40122 berechnet werden. 

Videosprechstunden
Für Videosprechstunden können Sie Ihre Grund- oder Versichertenpauschale (ausgenommen Nr. 03030, 04030, 12220 und 12225) abrechnen. Folgende Zuschläge können zudem genutzt werden, wenn alle Kriterien erfüllt sind:

•    Zuschläge für die fachärztliche Grundversorgung (PFG-Zuschläge)
•    Zusatzpauschalen für die Wahrnehmung des hausärztlichen Versorgungsauftrags
      (Nr. 03040 / 04040)
•    Zuschläge für die Unterstützung der hausärztlichen Versorgung durch qualifizierte
      nichtärztliche Praxisassistenten (Nr. 03060 / 03061)
•    Zuschlag für die Behandlung durch konservativ tätige Augenärzte (Nr. 06225)

Eine genaue Vergütungsübersicht finden Sie hier.

Wichtig: Wenn der Patient in einem Quartal nur die Videosprechstunde nutzt, ist die Abrechnung mit der Nr. 88220 zu kennzeichnen. Die Regelung, wonach die Anzahl dieser Behandlungsfälle auf 20 Prozent aller Behandlungsfälle beschränkt ist, ist aufgrund von COVID-19 für das zweite Quartal 2020 ausgesetzt.

Kleiner Tipp: Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen eine Anschubfinanzierung für Ärzte und Psychotherapeuten, die Videosprechstunden durchführen – für bis zu 50 Mal im Quartal mit je zehn Euro zusätzlich. Aber nur, wenn Ihre Praxis mindestens 15 Videosprechstunden im Quartal durchführt. Die Fördermöglichkeit gilt für zwei Jahre und erfolgt als Zuschlag über die Nr. 01451. 

(Quelle: www.kbv.de)
 


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Kategorie
Ärzte

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